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Patrick Beier

8.Mai

Fotos: Constanze Kühn

8. Mai - Tag der Befreiung !

Dieses Jahr fand die Gedenkveranstaltung am Sowjetischen Ehrenmal am Nachmittag statt um auch berufstätigen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen.
Auch eine russische Delegation Jugendlicher die gegenwärtig in Meiningen sind, nahmen daran teil und legten Blumen nieder.

Hier meine Rede zum heutigen Tag:

Meine Damen und Herren,

nicht am 08. Mai, sondern bereits einen Monat vorher - am 05. April 1945 - endete für unsere Stadt der Zweite Weltkrieg.
An diesem Frühlingstag nahmen US-Truppen Meiningen ein. Es sollten noch weitere vier Wochen vergehen, bis mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Europa die Barbarei des Nationalsozialismus ihr Ende fand.

Durch die Intervention der Alliierten wurden die Deutschen allerdings nicht VOM Nationalsozialismus befreit. Diese Formulierung wäre falsch.
Sie würde nahelegen, Hitler und einige wenige Gefolgsleute seien wie ein unabwendbares Schicksal über ein unschuldiges „deutsches Volk“ hereingebrochen. Das Gegenteil war der Fall.

Zu viele, auch hier in unserer Stadt, hatten sich mit dem Nationalsozialismus eingelassen und an ihn geglaubt, hatten ohne gezwungen zu werden aus ganzem Herzen für Hitler gejubelt, hatten ihn gewählt, waren für ihn in den Krieg gezogen, hatten weggeschaut als ihre sozialdemokratischen, kommunistischen oder jüdischen Nachbarn schikaniert, verprügelt, verschleppt und letztlich ermordet wurden.

Die Alliierten befreiten die Deutschen nicht VOM Nationalsozialismus, nein. Sie befreiten die Deutschen – wie der Historiker Götz Aly erst vor Kurzem bemerkte – von sich selbst.

Wenn wir heute hier stehen, gedenken wir des 08. Mais 1945 jedoch nicht vorrangig wegen der Befreiung derer, die mitgelaufen, mitgejubelt und mitgekämpft hatten. 
Wir gedenken heute ganz besonders all derer die - sei es in Europa oder auch Afrika – vom Nationalsozialismus geknechtet, gefoltert und in Konzentrationslager gepfercht wurden. 
Wir gedenken ihrer, die endlich wieder frei sein konnten.

Doch unsere Gedanken sind heute auch bei denen, die bei dem Versuch, sich selbst zu befreien, ihr Leben ließen. 
Wir gedenken der tapferen Männer und Frauen, die sich bereits im Jahr 1943 beim Aufstand im Warschauer Ghetto erhoben und mit der Waffe gegen ihre SS-Peiniger kämpften. Fast keiner von ihnen überlebte. Doch das Andenken an ihr Opfer, das sie stellvertretend für die Freiheit ihrer Brüder, Schwestern und Kinder brachten, lebt bis heute und auch gerade an einem Tag wie heute fort.

Schließlich sind unsere Gedanken bei den 6 Millionen Jüdinnen und Juden und über 500.000 Sinti und Roma, die im Zivilisationsbruch von Auschwitz, der Shoa, systematisch ermordet wurden. 
Für sie konnte es keinen „Tag der Befreiung“ geben. Auch das muss uns heute schmerzlich bewusst werden:
die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands waren so einmalig, so böse, dass nichts, auch kein Sieg gegen Hitler, sie je gutmachen konnte oder wird gutmachen können. 
Für allzu viele Menschen kamen die französischen, britischen, amerikanischen und sowjetischen Truppen zu spät.

Die Erinnerung an dieses alles, wie es am 08. Mai greifbar wird, ist jedoch weit mehr als ein Sich-Erinnern an ein vergangenes Ereignis, an das wir heute dankbar zurückdenken.
In der heutigen Zeit, in der Faschisten auf der Straße und in Parlamenten wieder das vermeintliche Recht einfordern, Zitat, „stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“ mahnen uns die Millionen Alliierter und Rotarmisten, die dafür kämpften und starben, dass wir diesen 08. Mai als einen „Tag der Befreiung“ feiern können.

Sie mahnen uns, dass keine Freiheit selbstverständlich, keine Befreiung für immer sein muss.

Sie mahnen uns – jeden einzelnen – im Alltag, auf der Arbeit, im Verein gegen jeden neuen Nationalismus und jeden neuen Faschismus aufzustehen und das Wort zu erheben. 
Wir sind es ihnen schuldig – allen die befreiten, die befreit wurden und allen, die nicht mehr befreit werden konnten.


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