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Erinnerung und Gedenken an Ludwig Pappenheim

Gedenkveranstaltung zum "80. Jahrestag der Ermordung von Ludwig Pappenheim im KZ Neusustrum" am 04.01.2014 am Gedenkstein auf dem Friedhof zu Schmalkalden

 

 

Wenn man an den gewaltsamen Tod eines Menschen erinnern und gedenken will, muß man an seinen Lebensweg und sein Wirken erinnern.

Am 17.03.1887 wurde Ludwig in der jüdischen Kaufmannsfamilie Pappenheim in Eschwege geboren. Nach dem Realschulabschluss ging er nach Hamburg in die kaufmännische Lehre, die er erfolgreich abschloss. In der Hansestadt Hamburg tritt er am 1. Januar 1905 der SPD bei, ging zurück nach Eschwege und wurde politisch aktiv in seinem Heimat- und Wahlkreis Eschwege, Witzenhausen, Schmalkalden. Auf einer Wahlkundgebung zu den Reichstagswahlen 1912 sprach Ludwig Pappenheim in Vertretung seines Freundes Thöne auf einer Wahlkundgebung im Bürgersaal Schmalkalden. Mit Thöne kam erstmals ein Sozialdemokrat aus diesem Wahlkreis direkt in den Reichstag.

Ludwig hasste den Krieg und musste trotzdem vier Jahre an die Ostfront. Er erhielt die Tapferkeitsmedaille „Eisernes Kreuz" und musste ein Kriegsgerichtsverfahren überstehen. In einem von ihm mit anderen Kriegsteilnehmern herausgegebenen Flugblatt im Jahre 1918 mit der Überschrift „Kameraden erwacht!",heißt es:

„Die Erde scheint nichts weiter als ein riesengroßer Mordplatz! Alle schuld an dem rasenden Völkermorden trägt das System der kapitalistischen Ausbeutung der Massen durch eine Minderheit Kapitalbeherrscher..."

Während der Novemberrevolution wurde über Schmalkalden der Belagerungszustand verhängt, Pappenheim verhaftet und unter dem Vorwand des Landfriedensbruches vorübergehend in das Zuchthaus Kassel - Wehlheiden eingesperrt. 1919 gründete er mit Genossinnen und Genossen die Zeitung der Partei „Die Volksstimme", deren Chefredakteur er wurde. Er war an der Niederschlagung des Kapp - Putsches im Jahre 1920 beteiligt und unterstützte im Herbst 1921 die 900 streikenden Metallarbeiter in Schmalkalden. Am 22.10.1922 wurde er zum Kreisvorsitzenden der SPD und am 30.8.1925 zum Landtagsabgeordneten des Provinzial - Landtages der Provinz Hessen - Nassau und in den Kommunallandtag des Regierungsbezirkes Kassel gewählt. Ab 1929 war er unbesoldeter Beigeordneter des Schmalkalder Magistrats, stellvertretender Landrat und Mitglied in mehreren städtischen Deputationen und Kommissionen. Ludwig war unter der Arbeiterschaft sehr beliebt, da er sich stets für sie einsetze und den Nazis, an der Macht in Thüringen seit 1932, ein Dom in den Augen. Als SPD Landtagsabgeordneter und stellvertretender Landrat von Schmalkalden wurde er bereits am 25. März 1933 - nur zwei Tage nach dem sogenannten „Ermächtigimgsgesetzes"- von der SA in „Schutzhaft" genommen. (Am 5. März wurde er erneut in den hessischen Landtag gewählt. Erst im Konzentrationslager erreicht ihn die Nachricht, dass seine Wahl von den Nationalsozialisten für ungültig erklärt wurde.) Da die Inschutzhaftnahme Pappenheims wegen eines „versteckt angelegten Waffenlagers" ebenso absurd wie lächerlich war, wurde er wegen „Gotteslästerung" zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, die er im Gefängnis in Suhl verbüßte. Am Entlassungstag am 27. Juli 1933 wurde er nicht entlassen, sondern wie viele andere Antifaschisten, beim verlassen des Gefängnisses wieder in „Schutzhaft" genommen. 

Die Odyssee beginnt für Ludwig Pappenheim im Kasseler Polizeigefängnis, danach KZ Breitenau und am 16. Oktober wird er in das KZ Börgermoor ,Lager 5. Baracke 7 Außenlager Neusustrum verbracht und am 4. Januar 1934 „auf der Flucht" erschossen.

Zwei Meldungen dazu:

Erklärung der KZ-Lagerleitung in einer Tageszeitung des Emslandes:

„Auf der Flucht erschossen. Papenburg. Das frühere langjährige sozialdemokratische Mitglied des Kasseler Kommunallandtages und Redakteur der sozialdemokratischen „ Volksstimme" Schmalkalden L. Pappenheim, der sich in einem KZ an der holländischen Grenze befand, ist dort bei einem Fluchtversuch erschossen worden."

In einer anderen Quelle heißt es ergänzend:

„...im KZ wurde P. mißhandelt und verhöhnt, dann kam er in den Bunker...Er sollte einen Abschiedsbrief an seine Familie schreiben. Jede Nacht wurde er verprügelt. Am 03.01.1934 brach er beim Appell zusammen. Am 04.01.1934 wurde er auf der Flucht erschossen. Der SS Mann Johann Siems rühmte später seinen „Meisterschuß", der gegen 11.30 Uhr erfolgte."

Da ist Ludwig 46 Jahre alt, am 17. März wäre er 47 alt geworden.

Für seine Frau Frieda und die vier Kinder, von denen Ruth 9, Günter 8 und Kurt 6 Jahre alt sind, begann eine schwere Zeit.

Kurt schrieb später in seinen Erinnerungen: "Allein auf uns gestellt hätten wir die Drangsal der Nazizeit nicht durchstehen können. In dieser Zeit haben wir vielfach Hilfe und Solidarität erfahren...überbrachte Sach-, Lebensmittel- und Geldspenden ermöglichten das Überleben der Familie...".

Günter Pappenheim kam Mitte 1943 nachdem man ihn denunziert hatte, weil er den französischen Zwangsarbeiten! ihre Nationalhymne vorgespielt hatte, erst in das Arbeitserziehungslager „Großer Gleichberg" bei Römhild, dann in das KZ Buchenwald, wo er am 11. April 1945 die Selbstbefreiung erlebte. Er ist seit Jahren Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald - Dora.

Kurt kam noch im Oktober 1944 in das Zwangsarbeitslager Weißenfels / Halle, welches er auch überleben konnte. Seit Jahrzehnten ist er als Zeitzeuge unermüdlich tätig und gern gesehener Gesprächspartner bei Jugendlichen und Studenten.

Nach der Befieiung vom Faschismus 1945 beschloss die Thüringer Landesregierung, den Ort Kleinschmalkalden in „Pappenheim" umzubenennen. Nach 1990 wurde der Ort nach einer initiierten Volksbefragung wieder in Kleinschmalkalden umbenamt.

1987 erhielt eine Schule in Schmalkalden den Namen des ermordeten Antifaschisten Ludwig Pappenheim, der nach 1990 stillschweigend abgelegt wurde.

Neben den Gedenksteinen auf dem Friedhof Eichelbach/Schmalkalden und im Ort Kleinschmalkalden wurde zum 110. Geburtstag von Ludwig Pappenheim 1997 in Trusetal auf dem Pappenheim - Platz ein neuer Gedenkstein eingeweiht.

Am 9. November 2011 wurde vor dem ehemaligen Sitz der Redaktion der sozialdemokratischen Partei „Die Volksstimme" in Schmalkalden für Ludwig Pappenheim ein Stolperstein verlegt.

von Carl von Ossietzky, selbst Häftling wie Ludwig Pappenheim in den KZs des Emslandes 1933-1934 schrieb diese Worte für uns Nachgeborene:

"Ob wir überleben

ist weder sicher noch die Hauptsache.

Wie man später von uns denken wird

ist so wichtig wie

dass man an uns denken wird.

darin liegt die Zukunft

danach müssen wir hier leben

solange wir atmen.

Ein Deutschland, das an uns denkt,

wird auch ein besseres Deutschland sein."

In diesem Sinne

aus dem Gestern lernen

in der Gegenwart wirken

die Zukunft gestalten

ist Erinnern - Gedenken - Mahnen unverzichtbar.

 

 

 

 


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