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Herbert Schoenenburg

Lang und knackig

Für Dienstag den 07.05.2013 10.00 Uhr hatte ich mich mit Gerhard Rooke verabredet, um in Vorbereitung der Bundestagswahlen in der Großgemeinde Floh- Seligenthal mal Ausschau nach den Wählern zu halten, gute Standorte für Plakate ausfindig zu machen, und stichpunktartig zu ermitteln, wie bekannt er ist bei den Wählern, unser Kandidat Jens Petermann, für und mit dem wir für unsere Partei „DIE LINKE“ demnächst in den Wahlkampf ziehen wollen.

Gerhard Rooke ist seit kurzem der Wahlkampfleiter unserer Partei im Kreis Schmalkalden- Meiningen. Wahlkampfleiter ist ein Ehrenamt, für das es keine Frauenquote bei uns gibt, was schon ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass es keiner gern macht. Er ist ca. 60 Jahre alt, verheiratet, steht in Frankfurt a.M. noch voll im Berufsleben, wohnt in Suhl und gehört zur BO in Zella- Mehlis. Außerdem ist er Berufsoffizier der Grenztruppen der DDR a.D. In sofern habe ich als ehemaliger Berufsoffizier der NVA zu ihm sofort einen guten Draht gehabt.

Kurz nach 10.00 Uhr war er also bei mir in Rotterode und wir fuhren los nach Floh- Seligenthal, was ja bisher noch nie eine Hochburg der Linken gewesen ist. Zunächst hielten wir in Struth- Helmershof auf dem Parkplatz vor der Fleischerei Frank. Ich teilte Gerhard mit, dass „die Struth“ ein besonders schwieriges Pflaster ist, wo wir noch nie einen Blumentopf gewonnen haben. Kaum hatte ich das gesagt, tauchte eine rüstige, schlanke Frau von ca. 70 Fahren mit dem Fahrrad auf und verschwand in der Fleischerei. „Die spreche ich an, wenn sie rauskommt.“ meinte Gerhard und brachte sich in der Nähe des Eingangs in Stellung. Nach 5 Minuten war es soweit und die Frau erschien wieder. „Darf ich Ihnen mal eine Frage stellen?“ wurde das Gespräch geschickt eröffnet. „Ja, bitte.“ War die höfliche und interessierte Antwort der Rentnerin. „Kennen Sie Jens Petermann?“ „Nein, wer soll das sein?“ Nun erläuterte Gerhard, was für ein guter Abgeordneter und Sozialrichter unser Jens ist und zückte den Flyer. Die Frau zuckte zusammen und lehnte das Material zum Nachlesen strikt ab. Damit wollte sie nichts zu tun haben. Mit energischem „nein, nein!“ entfernte sie sich mit ihrem Fahrrad. „So was ist mir noch nicht passiert, aber davon darf man sich nicht entmutigen lassen.“ meinte Gerhard und wir fuhren weiter ins Zentrum der Gemeinde Floh. Hier verwickelte er eine ältere Dame an der Bushalterstelle in ein Gespräch und das verlief angeregt und aufgeschlossen. Zwar kannte sie J. Petermann ebenfalls nicht, aber unseren Argumenten stimmte sie zu und das Material nahm sie mit.

Nächste Station war der NORMA in Seligenthal. Nach einem kurzen Einkauf sprach Gerhard wieder eine ältere Dame an. Der gelungene Einstieg war wieder die Frage: „Kennen sie Jens Petermann?“ Wieder lautete die Antwort: „Nein.“ Aber dann entspann sich ein sehr interessantes Gespräch. Die Argumente: „Wir werden seit über 20 Jahren verscheißert, die Renten werden nicht angeglichen, die Kinder gehen in den Westen! “ fielen bei der Frau, die zu DDR- Zeiten geschieden wurde und nun mit ihrer kleinen Rente zu Recht kommen muss, auf fruchtbaren Boden. Sogar die von mir erworbene Fischkonserve (Karpfen im eigenen Saft) für über 2 € wurde einbezogen „Das würde ich mir nicht leisten.“ war der Kommentar und ich fühlte mich ein wenig unbehaglich als Snob.       

Danach ging es weiter nach Kleinschmalkalden. Nach kurzem Gespräch im Zentrum mit einer jungen Frau mit 2 kleinen Kindern, (J. Petermann war auch ihr unbekannt, das Material nahm sie mit) ging es zur letzten Station „Fundgrube“ in Kleinschmalkalden. Hier steuerten wir gegen 12.00 Uhr den Versorgungs- Kiosk an, der von 2 Frauen (Mutter und Tochter) betrieben wurden. Nach wenigen Sekunden meinte die resolute Oma mit lauter Stimme: „Die Linken, die wähle ich sowieso! Was heute hier passiert ist eine Riesen- Sauerei, aber habe noch nie meinen Mund gehalten!“ Ihre Tochter stimmte ein wenig verlegen zu. Auch das nächste Paar das im Kiosk erschien, outete sich als Linkswähler. Der Mann glaubte auch Jens Petermann auf dem Flyer schon mal gesehen zu haben. Dann erschien ein Frührentner mit Nebenjob im Kiosk der sich als Nichtwähler vorstellte, „Weil ja alle Politiker nur lügen und betrügen.“ Das haben wir so nicht gelten lassen, „weil der Jens ja ein Guter ist, der sich für die kleinen Leute einsetzt“. Gerhard verortete die Schuldigen am Dilemma bei der CDU („die Merkel“) und auch bei der SPD („die Gleicke, deren Rente ist sicher!“) und nach einem spendierten Pott Kaffee stimmte uns auch der Frührentner zu und gab zu verstehen, vielleicht beim nächsten Mal DIE LINKE zu wählen.

Unsere Stimmung nach den 9 Gesprächen hatte sich natürlich stark gebessert. Es bestätigte sich jedoch erneut: Jens Petermann ist in der Bevölkerung unseres Kreises weitgehend unbekannt. Er muss erst noch bekannt gemacht werden und dazu reicht kein kurzer, knackiger Wahlkampf. Lang und knackig muss er sein.

Und der Jens, der muss verstärkt dahin, wo seine Wähler zu vermuten sind.


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