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Sabine Gottfried

Ein wertvolles Kapitel für den Unterricht

Vergangenheit kennen

Was die Referentin und Diskussionspartnerin Elke Pudszuhn über Jahrzehnte recherchiert und den leider fast durchweg älteren Zuhörern in Erinnerung gebracht hat, ist ein Beitrag aus dem umfangreichen neuen Band "100 Jahre Zella-Mehlis - Beiträge zur Geschichte". Er wird am 7. April, 14.30 Uhr, in der Bücherei beim Tag des offenen Rathauses vorgestellt. 17 Autoren - Heimat-forscher, Traditionswarte, Wissenschaftler - zeichnen darin Themen quer durch die Stadtge-schichte mit einem Schwerpunkt zum 20. Jahrhundert auf. Herausgegeben wird das Buch vom Förderverein des Zella-Mehliser Stadtarchivs.
Die Feder geführt beim Kapitel Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Zwangsarbeit hat die Zella-Mehliserin Elke Pudszuhn. Sie gehörte 1990 zu den Gründern des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VdN/BdV e.V.) und ist seit 2010 dessen Landesvorsitzende. Jeder kennt sie als die Tochter der von Nazischergen verfolgten und eingekerkerten Widerstandskämpfer Hans und Else Raßmann - geboren mitten im Kriegsjahr 1943. Was sie berichten kann, ist authentisch, "es sind Tatsachen, keine Ansichten", fand zum Beispiel Heinz Daßler, einer der Besucher, als besonders gut an der Veranstaltung an diesem Nachmittag.
Auch angelehnt an ein weises Sprichwort kann man den Wert des Themas ermessen: Wer die Zukunft meistern will, muss die Vergangenheit kennen. Immerhin geht die Stadt auch mit ihren jungen Bürgern in ihr zweites Jahrhundert. Äußerst detailreich und dokumentarisch belegbar schilderte Elke Pudszuhn die Folgen der Beteiligung der NSDAP an der ersten deutschen Landes-regierung der Thüringer ab 1930 und der Schaffung eines regelrechten Experimentierfeldes diktatorischer Interessen, angepeitscht durch NS-Gauleiter Fritz Sauckel, nicht von ungefähr oft als "Saukerl" betitelt.
In der Zella-Mehliser Arbeiterschaft regte sich der Widerstand. Noch lange, kann Elke Pudszuhn belegen, habe es beachtliche Wahlergebnisse für die KPD im Stadtrat gegeben - obwohl die Arbeiterparteien und Gewerkschaften in die Illegalität getrieben und viele schikaniert und verhaftet worden waren. Sie weiß, dass ihre damals erst 23-jährige Mutter Else an der Seite des Kommunisten Hans jede Last auch angesichts von Todesdrohungen auf sich nahm. Es fielen Namen von Gleichgesinnten, bei denen Zuhörer durch ihre Erinnerungen mit dem Kopf nickten.

Standhaft, einfallsreich

Die lange, enge Verbindung zu Lydia - aus Heidersbach stammend - und Magnus Poser kam zustande. Solche Standhaftigkeit und das Sammeln von etwas Geld für die Kinder von inhaftierten Weggefährten hatten die Machthaber als "hochverräterisches Unternehmen der KPD" angesehen und mit Schikanen, Verhaftungen und KZ zu zerschlagen versucht. Else Wolf, Frau des Antifaschisten Fritz Wolf, wurde als eine von so vielen Frauen charakterisiert, die im Hintergrund und ohne groß aufzufallen den Widerstand unterstützten. Geschickt soll sie für die Verteilung winziger Flugblätter in den hohlen Griffen von Sperrholztabletts gesorgt haben. Eines hatte die Referentin dabei, das kleine Holzauto für den gleichen Zweck leider nicht mehr. Aber viele alte Fotos, Belege auch für die Verbindungen mit den Poser-Neubauer-Schumann- Saefkow-Widerstandsgruppen. Jugendliche heute, denen diese Namen wie auch der des katholischen Nazigegners Marcel Callo wohl kaum etwas sagen, finden mit derartigem Geschichtswissen einen Zugang etwa zu Zella-Mehliser Straßennamen: Karl-Zink- und Magnus-Poser-Straße oder Marcel-Callo-Platz.
Sie sollten auch wissen, dass die Beckerwiese ab 1943 zum Standort für Zwangsarbeiter-Baracken mit bis zu 8000 Menschen wurde, die teils in Fabriken wie Mercedes und Walther oder betuchten Haushalten der Stadt arbeiten mussten. Sie sollten die Umstände begreifen, unter denen sich viele Bürger unter strenger Strafandrohung mit den Verschleppten solidarisierten - "gegen die Ehrauffassung des deutschen Volkes", wie die Nazis drohend propagierten. Elke Pudszuhn zitierte aus der berührenden Geschichte von Gerhard Kummer "Die Mädchen von der Beckerwiese". Mit zwei russischen Mädchen, für die einige Zella-Mehliser zu Vater und Mutter wurden, war ein berührender Höhepunkt des Suhler Pressefestes von 1969 verknüpft.
An die schreckliche Zeit mit solch authentischen Dokumenten immer wieder zu erinnern, findet Heinz Daßler so wichtig, gerade weil wieder rechte Kräfte erstarken. "Diese Verantwortung haben wir für unsere Kinder und Enkel", mahnte er. Deren wieder wachsendes Interesse an der Geschichte verspürt Elke Pudszuhn heute erfreulicherweise bei der Betreuung von Schulprojekten, in die sie eingebunden ist.


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